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Gesellschaft

Eine Bigotterie

Ich sitze hier gerade bei wunderschönem Wetter, die Sonne scheint und es ist kein Wölkchen am Himmel.

Ich mache Music auf meinem iPhone an und höre mir Work B**ch von Britney Spears an. Ein Lied, das uns allen zu Denken geben sollte. In diesem Song beschreibt Britney uns kurz und knapp, was sie ihrer Familie zu sagen hat. Work if you wanna achieve something and stop using me as your slave!!!!

Aber worauf ich eigentlich hinaus will: Der Titel will mit Sternchen ausgezeichnet.

Warum werden Wörter wie Bitch, Fuck, Shit, etc im englischsprachigen Raum – und zunehmend auch im Deutschen – so gefürchtet und unkenntlich gemacht?

Gewalt – in jeglicher Hinsicht – wird tagtäglich konsumiert. Seien es die Nachrichten, die wir uns ansehen oder die wir hören, sei es Gewalt und Unterdrückung in Filmen, oder die tagtägliche Gewalt auf unseren Straßen. Auch die Gewalt gegen Kinder in jeglicher Form ist ein trauriges Beispiel, wie verroht unsere Gesellschaften sind.

Daran haben wir uns zu sehr gewöhnt und nehmen Gewalt in allen Formen einfach so hin. Aber warum ändern wir das nicht?

Die Tabuisierung von Sex, Liebe und der Freiheit, die Person zu sein, die man ist, legt eine falsche Fährte. Anstatt uns auf die Suche nach uns selbst zu machen, zu erkunden, wen wir lieben, was wir lieben, was wir träumen, werden wir geblendet von falschen, aufgezwungenen Geschichten.

Ich stehe vollkommen hinter einem respektvollen und höflichen Umgang miteinander. Aber wenn etwas Scheiße ist, dann müssen wir es auch als Scheiße bezeichnen dürfen, also die Sache, die scheiße läuft.

Verwendet man Scheiße im Deutschen, dann wird sich über das Wort Scheiße echauffiert, anstatt sich darüber zu unterhalten, wie man die Scheiße abschaffen kann. Somit ist jedem Lösungsversuch des Problems ein Riegel vorgeschoben, weil man das Wort Scheiße benutzt.

Ein weiteres Beispiel ist die „Nippelaffäre“ von Janet Jackson bei dem Superbowl. Ein ganzes Land regt sich darüber auf, dass man für ein Sekündlichen Janet Jacksons Nippel sieht. Was ist an einem Brust-Nippel so Schreckliches?

Anstatt zu reflektieren, dass eine schwarze Frau offensichtlich diskriminiert wird, weil ihr ein kleiner Fauxpas passiert, unterhalten sich alle über die Entblößung eines Brustnippels. Aus meiner Sicht hätte wir anzuprangern müssen, dass hier eine renommierte Künstlerin diskriminiert, gemopped und fertiggemacht wird. Stattdessen wird sie mithilfe des Sextabus ganz gesellschaftskonform abgestraft. Es gab wenige Stimmen, die sie in Schutz genommen haben.

Hingegen hat sich niemand darüber aufgeregt, dass die Football-Spieler mit ihren Cups männliche Dominanz in Form eines Schwanzes vor sich hertragen und es jedem zeigen, der es sehen und nicht sehen will. Darüber diskutiert man nicht, obwohl die Symbolik dieselbe ist.

Tabus sind in jeder Hinsicht SCHLECHT.

Ein weiteres Beispiel: Madonna zeigt in ihrem Video „Like A Prayer“ einen schwarzen Jesus. Daraufhin wird sie „bestraft“ und verliert ihrenWerbevertrag mit Pepsi. Warum? Weil sie es wagt, der Wahrheit etwas näher zu kommen?

Madonna ist eine intelligente Frau. Sie weiß, dass Jesus aus dem Nahen Osten stammt und sie weiß, dass das Bild, das wir von Jesus im Kopf haben, eine Lüge ist. Ein Bild, das im absolutistischen Mittelalter geprägt wurde. Ein Mann, der Märtyrer ist, sehr europäisch aussieht – am Besten mit blauen Augen dargestellt. Rein von der Biologie her würde Jesus wahrscheinlich eher eine dunkle Augenfarbe gehabt haben und einen dunkleren Hauttyp. Ziel der Europäisierung: -> Jesus durfte nicht als Mensch aus dem Orient wahrgenommen werden.Vor allem durfte er nicht als Jude wahrgenommen werden, denn das war er – ein Rabi.

Von der religiösen Logik her, als Gottes Sohn – achte darauf: Sohn und nicht TOCHTER! – dürfte Jesus doch keine Gestalt haben oder zumindest dürfte er jede Gestalt annehmen können.

Madonna hat bewusst einen schwarzen Jesus gewählt, um auf den andauernden Rassismus in den USA und weltweit hinzuweisen.

Anstatt sich damit auseinanderzusetzen und zu diskutieren, wie wir endlich den Rassismus hinter uns lassen, echauffieren sich alle wegen einer Darstellung von Jesus, die der Wahrheit wahrscheinlich näher kommt als das Bild, das wir alle in unseren Köpfen tragen. Also, Bullshit.

Dinge zu benennen, wie sie sind, ist in unserem System nicht gewünscht. Es wird uns beigebracht, dass ficken, bitch, scheiße und fluchen im Allgemeinen bäh, bäh, bäh sind.

Aber es kommt auf den Kontext an. Wenn es passt, darf ich verwenden, was ich möchte, denn ich bin ein freier Mensch.

In anderen Sprachen, im Spanischen oder Bosnischen, wird viel mehr geflucht. Warum? Weil es ein Ventil ist, zu fluchen. Es befreit einen Menschen, Dinge einfach auszusprechen, eine Art Seelenhygiene. Dieses Recht müssen wir uns bewahren. Vor allem aber immer im Hinterkopf behalten, dass wir andere damit nicht verletzen!!!

Der Begriff Hurensohn oder schwule Sau wird als Beleidigung oft ausgesprochen – zumindest am Wochenende in Köln.

Hier möchte ich mal den Begriff Hure einmal hinterfragen. Diese Frauen sind aus meiner Sicht megastarke Frauen, die so einen Beruf aushalten, zwar oft psychisch und körperlich brechen, aber dennoch einen Weg finden, damit zu leben. Wären wir eine tabulose Gesellschaft, würden wir das erkennen und den Frauen, die aus ihrem Beruf aussteigen wollen, jede Hilfe anbieten, die sie benötigen.

Warum sprechen wir nicht vom Freiersohn? Tja, bäh, da hätten wir es wieder. der Freier gilt als etwas Positives. How come? Männliche Dominanz!!!

Schwule Sau, auch sehr gebräuchlich. Für mich als Schwulen keine wirkliche Beleidigung, da ich gerne eine schwule Sau bin, wenn ich Bock darauf habe!!!

So haben wir es als homosexuelle Männer geschafft, diesen Begriff für uns zu etwas Positivem umzukehren. Wer so etwas gebraucht, ist sich dessen nicht bewusst, zum Glück:-)

Denn Schwule, nicht alle, aber viele, haben es geschafft, sich aus den vorgefassten Bildern zu lösen und ihr Leben frei zu leben. Das trifft zum Glück auf immer mehr Mitglieder aus der LGBTQIA-Familie zu, egal, wo man sich einordnet. Aber auch hier: Lesben und Transmänner haben es IMMER schwerer gegen die vorgefassten Bilder anzukämpfen!!!

Tja, daher sehe ich mittlerweile den Begriff schwule Sau eher als Kompliment, denn es ist oft der Neid der anderen, dass ich es geschafft habe, frei zu sein, zu mir und zu meinen Gefühlen und Wünschen zu stehen. Und, wenn ich eine Sau sein möchte, dann bin ich eine Sau. Hauptsache ich und meine Partner sind glücklich und wir machen alles in absolutem Einverständnis und zusammen!!!

Daher, befreit euch, sprachlich und gedanklich, von Stereotypen, hinterfragt, reflektiert und findet euren Weg glücklich zu sein und anderen Menschen Glück zu schenken. Das ist es, was unsere Welt im Kern ausmacht!!!

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