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Es gibt sie noch: die guten Dinge.
Wirklich. Sie verstecken sich nur hartnäckig zwischen Weltuntergangsprognosen, Push-Nachrichten und der nächsten moralisch korrekten Empörung.
Ich zum Beispiel bin ein ausgesprochen guter Mensch. Also zumindest in meinem Kopf. 😊
Dort rette ich regelmäßig die Welt, verbessere Diskurse, optimiere Systeme und habe nebenbei auch noch die Menschheit auf einen besseren Kurs gebracht – alles vor dem ersten Kaffee.
Leider kollidiert diese Version von mir täglich mit der Realität, in der ich es manchmal nicht einmal schaffe, den Biomüll rechtzeitig rauszubringen.
Und genau da beginnt das Problem: Wir nehmen uns alle ein bisschen zu wichtig. Also wirklich ein bisschen zu wichtig.
Ich meine, schauen wir uns das nüchtern an: Wir sitzen auf einem Staubkorn, das um eine mittelmäßige Sonne kreist, irgendwo in einem galaktischen Randgebiet, das selbst astrophysikalisch eher so „ganz nett“ ist, auf einer Art Kinderkarussell mit Tierfiguren, die sich auf und ab bewegen – ich sitze auf einem Pferd oder Elefanten. 🎠🐘
Und darauf diskutieren wir mit erstaunlicher Ernsthaftigkeit darüber, wer recht hat.
Dabei sind wir – rein physikalisch betrachtet – nicht einmal besonders beeindruckend.
Wir bestehen aus ein paar Teilchen, die selbst wiederum kaum etwas sind. Protonen, Neutronen, Elektronen – und irgendwo darunter vermutlich noch kleinere Dinge, die so flüchtig sind, dass sie sich vermutlich selbst nicht ganz ernst nehmen.
Vielleicht sind wir nicht einmal ein ganzes Fermion, eher so ein halber „Irgendwas-ist-da-vielleicht“-Zustand mit gelegentlicher Selbstüberschätzung.
Und trotzdem benehmen wir uns, als wären wir der dramaturgische Höhepunkt des Universums.
Ich eingeschlossen, selbstverständlich. Besonders ich. Warum auch nicht?
Was die Sache zusätzlich pikant macht: Wir sind Gefangene unserer eigenen, erstaunlich mittelmäßigen und gleichzeitig hochgradig selbstbelügenden Gehirne.
Diese Organe verlangen nach Energie – möglichst viel, bitte, gern in Form von Fett und Zucker – und flüstern uns gleichzeitig zu, dass wir ästhetisch eigentlich wie griechische Götterstatuen auszusehen hätten. Idealerweise ohne Anstrengung, versteht sich!!!
Es sind dieselben Gehirne, die Effizienz predigen, aber Bequemlichkeit meinen. Die Energie sparen wollen, wo es nur geht, und deshalb lieber auf Gewohntes zurückgreifen, statt sich neugierig ins Unbekannte zu stürzen.
Wiederholung fühlt sich sicher an. Denken ist anstrengend. Erkenntnis sowieso.
Und während wir uns für aufgeklärt, reflektiert und wissbegierig halten, klickt sich unser neuronales Innenleben mit stoischer Hingabe durch die immer gleichen Muster, Vorurteile und Routinen – wie ein schlecht programmiertes Skript, das sich selbst für ein Meisterwerk hält.
Ich habe Phasen, da fühle ich mich wie der letzte Weltverbesserer. Ich lese Artikel, bilde mir Meinungen, optimiere Gedanken und habe das diffuse Gefühl, dass ich irgendwie „richtig“ liege. Ein gefährlicher Zustand.
Denn meistens folgt darauf die Erkenntnis, dass ich schlicht ein weiterer Mensch bin, der versucht, in einem absurd großen System ein bisschen Ordnung in sein eigenes Chaos zu bringen – ausgestattet mit einem Gehirn, das lieber bei seiner Meinung bleibt, als zu versuchen, der Wahrheit näher zu kommen.
Und das ist vielleicht das eigentlich Schöne.
Nicht die große Bedeutung. Nicht die kosmische Relevanz. Sondern genau diese kleine, fast lächerliche Perspektive. Wir sind winzig – und dürfen trotzdem Dinge schön finden. Ein gutes Gespräch. Ein ruhiger Abend. Ein Moment, in dem nichts verbessert werden muss.
Vielleicht ist das die eigentliche positive Nachricht: Dass wir nichts zu Kamellen haben. Keine finale Mission, keine universelle Pflicht zur Großartigkeit. Wir dürfen einfach existieren, ein bisschen denken, ein bisschen fühlen, und uns gelegentlich dabei ertappen, wie wir uns selbst viel zu ernst nehmen.
Und dann darüber lachen.
Zumindest solange, bis ich morgen früh wieder aufwache und die Welt retten will. Die mit Vollgas in die eigene Vernichtung ist – der Planet überlebt, homo sapiens – na ja, mal sehen. 😂


